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Info-Tafel


1 Schönstadt
Schönstadt, ein Ortsteil von Cölbe, urkundlich im
Jahr 1225 als „Schonstadt“ erwähnt, war bereits
damals Gerichtsort. Geprägt wurde seine Geschichte
seit dem 13. Jahrhundert durch die Herren von
Fleckenbühl und die Familie von Milchling. Die Familie
von Fleckenbühl war ein wehrhaftes, niederadliges
Geschlecht mit beträchtlichem Grundbesitz
innerhalb des Gerichtes Schönstadt. Die Gebäude
ihres ehemaligen Schlosses werden heute von der
bundesweit bekannten Suchthilfeeinrichtung Fleckenbühl
genutzt. Weniger mit dem Gericht Schönstadt
als vielmehr mit dem Ort selbst ist die Familie
Milchling von und zu Schönstadt verbunden. 1749
baute sie anstelle einer Wasserburg das heutige
Schloss. 1937 wurde Georg Dietrich Milchling als
letzter seines Geschlechts beigesetzt. Heute leben
in Schönstadt rund 1600 Einwohner.


2 Junkernwald und „Junkersgrab“
Das in sich geschlossene, 320 ha große Waldgebiet
zwischen Schönstadt und Bracht wird als Junkernwald
bezeichnet. Der Wald ist ein Ausläufer des
Burgwaldes, nur getrennt durch das Rote Wasser
Tal. Der Junkernwald befindet sich in Privatbesitz
und wird seit ca. 30 Jahren nach den Grundsätzen
der „Naturgemäßen Waldwirtschaft“ bewirtschaftet.
Daher weist er auf kleinstem Raum verschiedene
Bäume allen Alters auf und bietet vielfältigen
Lebensraum für Flora und Fauna. Auf
Wunsch der Familie Milchling wurde1798 hier im Junkernwald
das Erbbegräbnis errichtet. In den folgenden Jahren
wurden 11 Familienmitglieder in diesem Erbbegräbnis bestattet

oder mit einer Gedenktafel verewigt. Das Familienwappen, das sich
die Vereine aus Schönstadt zu Eigen gemacht haben,
begleitet uns als Zusatzmarkierung auf dieser
Extratour.

3 4 Aussichtspunkte
Panoramablicke bis hin zur Amöneburg, zum Vogelsberg,
Hoherodskopf, Mönch–und Kellerwald.

4a Hutewald
Durch Beweidung und die damit verbundene Auslese
besonders ertragreicher Bäume mit für das Vieh
nutzbaren Früchten, wieEicheln, Bucheckern,
Holzäpfeln oder Haselnüssen,
entstanden in Mitteleuropa seit der Jungsteinzeit
bis ins Mittelalter lichte unterwuchsarme Wälder,
die von tief beasteten Hutebäumen geprägt
waren. Teile des Junkernwaldes, wie auch des gesamten
Burgwalds, wurden zur Waldweide genutzt.
Die Viehherden aus den umliegenden Dörfern, vor
allem aus Schönstadt, wurden hier eingetrieben.
Die Zuordnung der heimischen Herden mit ihren
Viehhirten zu bestimmten Waldorten war nach altem
Herkommen weitgehend festgelegt. Für die
fremden „gedingten Schweine”, die über oft sehr
weite Strecken heran getrieben wurden, musste
„Mastgeld” entrichtet werden – eine gute Einkommensquelle
für die Grundherren. Um eine nachhaltige
Bewirtschaftung zu gewährleisten, wurden die
Flächen örtlich zugeteilt und Triften abgegrenzt.
An dieser Stelle bestand eine solche Trift.

5 Flugplatz und Bandkeramikersiedlung
1937 weihte das Reichsluftfahrtsministerium einen
Feldflugplatz ein, der nur kurzzeitig zu Beginn des
Krieges gegen Frankreich an Bedeutung gewann.
Nach Kriegsende wurde ein Flüchtlingslager errichtet.
Nach Freigabe für die zivile Nutzung entstand
der Ortsteil Bracht-Siedlung. 1949 und bei späteren
Grabungen wurden an dieser Stelle und der
Umgebung umfangreiche Funde gemacht, die auf
eine Steinzeitsiedlung aus der Mitte des dritten
vorchristlichen Jahrtausends hinweisen.

6 Bracht
Urkundlich wurde Bracht erstmals 1241 als
„Brachtfa“ erwähnt. Nach jahrelangen Besitzstreitigkeiten
zwischen dem Mainzer Erzbischof und
den Landgrafen von Hessen wurde Bracht
„herrschaftlich“, also im Langsdorfer Vertrag 1263
dem Landgrafen zugesprochen. Das landgräfliche
Jagdhaus von 1721 in Bracht diente, neben weiteren
„Diensthöfen“ in der Region, den Landgrafen
und Fürsten neben dem Jagdaufenthalt im Burgwald
auch als geheimer Konferenzort für ihre politischen
Entscheidungen. Heute leben im Rauschenberger
Stadtteil Bracht rund 950 Menschen.

7 Der Burgwald
Der Burgwald ist mit einer Fläche von ca. 20.000
ha eines der größten unzerschnittenen Waldgebiete
Hessens. Erstmals wird der Burgwald im Vertrag
von Langsdorf 1263 als „Burchholz“ erwähnt. Mit
dem Naturschutzgebiet Christenberg begann 1978
die Umsetzung eines Biotop-Verbundsystems, mit
dem den Burgwald in seiner ökologischen
Funktion gesichert werden soll. Hierbei
werden insbesondere die in den Kernzonen

liegenden seltenen Moorbiotope miteinander verbunden
und langfristig in einem naturnahen Zustand
erhalten. Seltene und gefährdete Tiere und Pflanzen
finden so im Burgwald einen Lebensraum.

8 Die Waldmühle und das Rote Wasser
Seit zwölf Generationen ist die vermutlich
1525 erbaute und 1630 im Eigentum des
Landgrafen von Hessen stehende Waldmühle
im Besitz der Familie Ungemach. Die Mühle war bis 1942 in Betrieb
und hatte eine durchschnittliche Mahlleistung
von 60 Tonnen/Jahr. 1958 wurde ein neues Wasserrad
installiert, das seitdem den Schrotgang für die
Landwirtschaft antrieb. Erste Erwähnung findet
das Rote Wasser 1485 als „Bracht“. 1766 erhielt
es in einem Steuerbuch die Grundlage
für seinen heutigen Namen: Rode Wasser.
Das Quellgebiet des Roten Wassers befindet
sich auf den Brücher Wiesen im Herzen des Burgwaldes auf 300 m Höhe.

9 Die Mühlen am Roten Wasser
Am Roten Wasser liegen zwischen Bracht und Bürgeln
sechs Mühlen. Die Dorfmühle in Bracht, die
neue Mühle und die Dorfmühle in Schönstadt, die
Fleckenbühler Mühle, die Rondehäuser Mühle und
die Dorfmühle in Bürgeln. Sie wurden im 13. und
14. Jahrhundert gegründet. Einige wurden noch bis
Anfang des 20. Jahrhundert betrieben. Danach erfolgten
der Abbau und Verkauf der jeweiligen
Mahlwerke und der Umbau zu Wohnhäusern.





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